Flughafen Leipzig-Mockau

Der Flughafen Leipzig-Mockau (damaliger ICAO-Code: ETLM) war der erste zivile Flughafen Leipzigs. Er wurde 1913 als Luftschiffhafen und Fliegerstation in Betrieb genommen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg existierten auf dem Gelände Produktionsanlagen für die Flugzeug-Rüstungsindustrie, und der Platz diente als Werksflugplatz. Bis zu seiner Stilllegung 1991 wurde der Mockauer Flughafen zivil genutzt.
Nachdem 1911 in Lindenthal bei Leipzig Sachsens erster ziviler Flugplatz öffnete, nahm man auch in der Stadt Leipzig Planungen für einen Flughafen auf.

 

Leipziger Bürger gründeten eine Gesellschaft mit dem Ziel, eine Luftschiffhafen-Aktiengesellschaft ins Leben zu rufen. Es konnten Aktien für 937.000 Mark gezeichnet werden und am 15. März 1913 die Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft (LEFAG) mit einem Grundkapital von 1,2 Mio. Mark gegründet werden. Nachdem die Stadt Leipzig nach dem Tod von Adolph Andreas Friedrich Gontard (18341909), Besitzer des Ritterguts Mockau, von dessen Witwe 1912 das Rittergut erworben hatte, stellte sie der Aktiengesellschaft 112 Hektar der Fläche für 30 Jahre unentgeltlich zur Verfügung. Die Stadt übernahm die Erschließungskosten für das auf der Flur des 1915 eingemeindeten Mockau befindliche Flugplatzgelände und gewährte eine jährliche Beihilfe von 20.000 Mark.


   

Bereits am 1. Januar 1913 hatte die Firma Seibert aus Saarbrücken mit dem Bau einer Luftschiffhalle nach den Plänen des Leipziger Bauingenieurs Paul Michael Ranft (1854-1938) begonnen. Die in der Mitte des Platzes als Stahlkonstruktion ausgeführte Halle hatte eine Grundfläche von 193 × 77 Metern, die lichte Höhe betrug 25 Meter bei einer Firsthöhe von 32 Metern. Die Halle mit einer Nutzfläche von 17.765 m² bot Platz für zwei Zeppelin-Luftschiffe. Die Baukosten der damals größten Luftschiffhalle der Welt betrugen 850.000 Mark. Die Einweihung der Luftschiffhalle fand am 22. Juni 1913 statt. Dazu reiste eigens der greise Graf Zeppelin an, der an Bord des aus Potsdam kommenden Zeppelins LZ 17 "Sachsen" zusammen mit dessen Begleitschiff LZ 11 "Viktoria Luise" gegen 15:30 Uhr eintraf. Der sächsische König Friedrich August III. weihte die Halle ein und eröffnete den Luftschiffhafen und Flugplatz Leipzig. In der Luftschiffhalle waren die zwei Zeppeline LZ 13 "Hansa" und LZ 17 "Sachsen" untergebracht. Infolge zu hoher Schnee- und Eislast stürzte die Halle am 8. Februar 1917 bei einem Sturm ein. Bei der anschließenden Explosion brannte sie vollständig nieder.


Luftschiff LZ Hansa in Mockau

AWH-Fliegerheim 1913

Ebenfalls 1913 wurde nach den Plänen von Stadtbaurat Otto Wilhelm Scharenberg an der Dübener Landstraße Deutschlands erstes Flughafenhotel errichtet. Im Erdgeschoss des Baus befand sich ein Restaurant mit großem Saal. Ein Fliegerheim mit Schlafräumen, Bädern und einem Offizierskasino war in der ersten Etage. Außerdem gab es zum Flugfeld hin eine offene Terrasse. Das heute leerstehende Gebäude zählt zu den wenigen erhaltenen massiven Bauten aus der Anfangszeit der Luftfahrt.
Bis zum Ersten Weltkrieg starteten in Mockau jährlich einige hundert Zeppeline und Flugzeuge. Mit dem Beginn des Krieges wurde der Flughafen nur noch militärisch genutzt. Auf dem Luftschiffhafen Leipzig waren 1914 der Bayerische Luftschiffertrupp Nr. 1 und das der Marine-Luftschiffabteilung Nordholz unterstellte III. Marine-Luftschiff-Detachement stationiert. Auch Militärluftschiffe wie die Heeres-Zeppeline Z VI und Z III lagen in Mockau im Hafen. Bis 1915 diente der Luftschiffhafen der Kaiserlichen Marine.
Schon im Ersten Weltkrieg richteten auf dem Mockauer Flughafen einige Flugzeughersteller Fabriken zur Rüstungsproduktion ein. Es waren dies die Deutsche Flugzeug-Werke GmbH (DFW), die Germania-Flugzeugwerke GmbH und die Automobil und Aviatik AG.
Nach dem Krieg wurden die Tore der Flugzeughallen vermauert, um sie gemäß den Bedingungen des Versailler Vertrages für das Unterstellen von Flugzeugen unbrauchbar zu machen.
Der Leipziger Stadtrat beschloss am 21. Mai 1922, für den Ausbau des Flughafens mehrere Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Reichspräsident Friedrich Ebert eröffnete im Frühjahr 1923 den Flughafen Mockau als "Weltflughafen" wieder. Der Flughafen erstreckte sich nun nördlich bis auf Seehausener Territorium, die Grenze zwischen Leipzig und Seehausen verlief etwa in der Mitte des Platzes. 1926 wurden der Nachtflugverkehr sowie ein Messeflugdienst aufgenommen. Bis 1929 wurde er mit allen für einen Verkehrsflughafen erforderlichen baulichen und technischen Anlagen ausgerüstet. Schon wenige Jahre nach Gründung der Deutschen Luft Hansa im Jahr 1926 trat der Mockauer Flughafen hinter den neuen Flughafen in Schkeuditz, das in der damals preußischen Provinz Sachsen lag.


Flughafen-Verwaltungsgebäude der LEFAG 1929

1928/1929 wurde vom Leipziger Architekten Georg Wünschmann das neue Verwaltungsgebäude der LEFAG erbaut, ein zweigeschossiger Stahlbeton-Flachbau mit Klinkerfassade im Stil der Moderne. Diesem Bau sollten vier weitere gleiche Blöcke folgen, zu deren Ausführung es jedoch nicht kam. Im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes befanden sich eine Abfertigungshalle für Fluggäste, Büros der Fluggesellschaften, die Flughafenverwaltung sowie die Luftpolizei. Auf dem Dach gab es eine dreistufige Terrasse. An den beiden dem Flugfeld zugewandten Gebäudeecken befand sich je ein verglaster Treppenturm. Von 1928 bis 1932 hatte die Junkers-Luftbildzentrale ihren Sitz im Flughafen-Verwaltungsgebäude.
Die Junkers Flugzeugwerk AG Dessau (Jfa) errichtete eine zentrale Reparaturwerft. Dazu begann im Frühjahr 1928 der Bau der großen Flugzeughalle III nach einem gemeinsamen Entwurf von LEFAG und Jfa, deren Eröffnung am 16. November 1928 stattfand. An die mit zwei elektrisch beweglichen Schiebefalttoren von je 45 Metern Länge ausgerüstete 100 × 30 Meter große Halle mit einer Höhe von 7 Metern schlossen die Werkstätten an, so dass sich eine Grundfläche von 1200 m² ergab. 1929 wurde die Werft in Gegenwart von Hugo Junkers eingeweiht. Die fast gleichzeitig ausbrechende Weltwirtschaftskrise schränkte den Betrieb jedoch von Beginn an stark ein. Nachdem die Jfa im März 1932 die Subventionszahlungen einstellte, musste die Leipziger Junkers-Werft am 30. Juni geschlossen werden.



Halle 3 der Junkerswerft

Vor und während des Zweiten Weltkriegs
Seit 1933 war der Mockauer Flughafen Austragungsort der NS-"Volksflugtage". Im März 1933 wurde mit Unterstützung der NS-Regierung die Junkers-Flugzeugwerft wiedereröffnet. Seit dem 7. November 1935 nutzte die neu geschaffene Luftwaffe das Gelände und gründete 1938 eine Fliegerwaffenschule, die bis 1944 bestand. Seit 1936 wurden im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht Betriebe der Luftrüstung errichtet: am nördlichen Rand des Platzes (Seehausener Straße, Ortsteil Seehausen) das Werk 3 der Allgemeinen Transportanlagen-Gesellschaft (ATG), im Südosten (Vierzehn-Bäume-Weg, Ortsteil Mockau) das Werk II des Erla Maschinenwerks und ein Zweigbetrieb der Mitteldeutschen Motorenwerke (MiMo), die in ihrem zwischen Portitz und Taucha gelegenen Stammwerk Flugmotoren herstellten. Auch die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke erweiterten zwischen 1936 und 1938 ihre Werft Leipzig-Mockau. An der südwestlichen Platzgrenze am verlängerten Ostmarkenweg (nordwestlich des heutigen Walter-Albrecht-Weges, Ortsteil Mockau) entstand eine neue Reparaturwerft für 2000 bis 3000 Beschäftigte mit zwei Montage- bzw. Rüsthallen; für das Verwaltungsgebäude war am 4. September 1937 Richtfest. Die Grundstücke blieben im Besitz der LEFAG, die mit den Rüstungsbetrieben Nutzungsverträge abgeschlossen hatte. Im September 1939 verlegte mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges eine Flugzeugführerschule (FFS C 7) vom Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch nach Mockau, blieb jedoch nur wenige Wochen und verlegte noch vor Weihnachten 1939 nach Finsterwalde.
Bei den Luftangriffen auf Leipzig war der Mockauer Flughafen mit seinen Rüstungsbetrieben Zielobjekt. Erstmals in der Nacht vom 25. zum 26. August 1940 starteten Bomber der britischen Royal Air Force (RAF) mit dem Ziel Erla-Werke und Flughafen Mockau, sie verflogen sich jedoch und fanden ihre Ziele nicht. Auch am 20. Oktober 1943 blieben bei einem Großangriff auf Leipzig aufgrund schlechter Wetterbedingungen die Luftrüstungsbetriebe unversehrt. Beim schwersten Luftangriff am 4. Dezember 1943, bei dem etwa 2000 Menschen den Tod fanden, war dann erstmals auch die Flugzeugindustrie betroffen. Bei ATG, Junkers und Erla wurden eine große Anzahl von Rümpfen und Flugzeugen vernichtet bzw. beschädigt, insgesamt aber waren die wirtschaftlichen Ausfälle nicht schwerwiegend. Erst beim Angriff am 20. Februar 1944 zu Beginn der "Big Week" führten die United States Army Air Forces (USAAF) einen Hauptschlag gegen den Flughafenkomplex Mockau. Es fielen Bomben auf fast alle Leipziger Flugzeugwerke, wobei schwerste Zerstörungen am Flughafen Mockau entstanden. Weitere Angriffe auf Flughafen und Werksanlagen flogen die USAAF am 29. Mai und am 20. Juli 1944. Dennoch konnten die Alliierten die Leipziger Luftfahrtindustrie nicht vollständig ausschalten. Die Luftwaffe ordnete im April 1945 die Sprengung der weitgehend verschont gebliebenen Start- und Landebahn an. Die Betonflächen wurden schon vermint, die Sprengung jedoch nicht mehr ausgeführt. Seit dem 14. April flogen die USAAF Platzangriffe auf den Flughafen; erst zu diesem Zeitpunkt erfolgte bei Erla die endgültige Einstellung der Produktion, ATG und Junkers hatten sie schon wenige Tage zuvor beendet. Der Flughafen wurde am 19. April 1945 von amerikanischen Truppen eingenommen und stand seit dem 1. Mai 1945 offiziell unter amerikanischer Besatzung. Das Gelände wurde durch das 818th EAB (Flugplatz-Baubataillon) wieder hergerichtet und bis zum 15. Juni nur sehr eingeschränkt genutzt. Anfang Juli 1945 wurde der Flugplatz an die Rote Armee übergeben. Die SMAD ließ zunächst die Verminung der Start- und Landebahn beseitigen und begann 1946 mit der Demontage aller Industrieanlagen von Erla, ATG und Junkers. Bis Ende 1948 waren alle Hallen und Werksanlagen verschwunden, der gewonnene Stahl als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht und die Roll- und Abstellflächen gesprengt. Schon im Herbst 1945 begann in Mockau wieder der Flugbetrieb der Roten Armee. Stationiert waren A-20-Bomber des 8. Garde-Bombenfliegerregiments. Eine Dauerstationierung des sowjetischen Militärs hat es auf dem Flughafen Mockau nicht gegeben.


Airfield Map Leipzig Mockau 1951

Luftbild Leipzig-Mockau

Nach 1945
Das Flugplatzgelände blieb zunächst im Wesentlichen ungenutzt. 1946/1947 musste die LEFAG zum Anbau von Gemüse, Kartoffeln und Tabak Land verkaufen und verpachten. Landwirtschaftlich konnten die Flächen nur kurz genutzt werden, denn 1949 ordneten die Behörden die Räumung der Grundstücke an, da der Platz wieder für den Messeflugverkehr genutzt werden sollte. Das Messeamt stellte einen Antrag an die SMAD, um "Flugzeuge mit ausländischen Einkäufern" empfangen zu können. Es folgte die sofortige Anordnung, bis zum 20. August 1949 die Vorbereitungen zur Aufnahme eines Messesonderdienstes abzuschließen. So nahm am 29. August 1949 mit der Landung einer Douglas DC-3 der CSA zur Leipziger Herbstmesse die zivile Luftfahrt der Nachkriegszeit ihren Anfang auf dem Flughafen Leipzig-Mockau. Die Abfertigung im ehemaligen Flughafenhotel erfolgte noch durch sowjetisches Personal. Schon zuvor wurden Flüge der Aeroflot, LOT und CSA von und nach Berlin-Schönefeld ausschließlich von sowjetischem Personal abgefertigt. Zur Frühjahrsmesse 1950 durfte der Platz dann unter Leitung deutscher Fachleute genutzt werden, allerdings waren Landungen nur bei Tag gestattet, Nachtflüge mussten auf Berlin-Schönefeld ausweichen. Nach der Gründung der DDR verfügte am 3. Februar 1950 die Sowjetische Kontrollkommission (SKK) die Übergabe des Platzes an die DDR-Behörden. 1951 wurde der Messeflugverkehr offiziell wieder aufgenommen, dazu wurde das Abfertigungsgebäude provisorisch instand gesetzt. Bis 1955 wurden die Anlagen in Mockau nur zweimal jährlich als Messeflugplatz genutzt, da die Lufthoheit erst am 7. Januar 1957 - jedoch streng begrenzt - von den sowjetischen Streitkräften an die DDR überging. Seit 1952 gab es erste Flugsportaktivitäten in Mockau. Die FDJ errichtete eine Segelfliegerstation, der später eine Segelflughalle folgte. In Mockau fanden die ersten Flugtage der Segelflieger statt, die Wilhelm Pieck am 1. Juni 1952 besuchte.

   



Mitropa und Fliegerheim

Terminal innen

Terminal


Messebriefmarke

Flugleitung

Fliegerheim

"Zu Luftfahrtstaetten zurück"