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Berlin-Tegel

Bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden auf dem Schieß- und Exerzierplatz am Tegeler Weg, der die Ortsteile Reinickendorf und Tegel verband, auch die ersten Luftfahrtaktivitäten beobachtet. Sowohl das Luftschifferbataillon als auch die ersten Motorflieger wurden hier aktiv.

Parseval, Groß und Basenach wie auch Graf Zeppelin waren hier, wenn auch in unterschiedlicher Aktivität präsent. In den 30er Jahren experimentierten hier Hermann Oberth und Rudolf Nebel mit den ersten Raketen, mit von der Partie war auch der junge Wernher von Braun. 1931 entstand die erste Versuchsanstalt auf dem Gelände der Chemisch-technischen Reichsanstalt; diese Versuchsanstalt wird einige Jahre später nach Kummersdorf und anschließend nach Peenemünde umziehen.

Der eigentliche Bau eines Flugplatzes begann aber erst Jahre später. Nach 1945 legten die französischen Besatzungstruppen in Tegel-Nord einen Flugplatz an, der schließlich während der Berliner Blockade in nur drei Monaten eine 2400 m lange befestigte

Bahn erhielt und damit die Flugplätze Tempelhof und Gatow entlastete.

Infolge der Weiterentwicklung der Verkehrsflugzeuge, besonders hinsichtlich ihrer Größe, reichte die Kapazität von Tempelhof Ende der fünfziger Jahre nicht mehr aus. In Abstimmung mit den Alliierten wurden deshalb die Bauten in Tegel-Nord teilweise der zivilen Verwendung als Abfertigungsgebäude zugeführt. 1965 wurde der Auftrag für ein neues Projekt erteilt; 1974 erfolgte die Einweihung der neuen Anlagen in Tegel-Süd.

Es folgten Anpassungs- und Kapazitätserweiterungsprozesse, sowohl im Flugfeld- als auch im Abfertigungsbereich. Die innerstädtische Lage des Flughafens und die Berücksichtigung der Hauptstadtfunktion Berlins erzwingen aber (wie auch in Tempelhof) eine generelle Lösung.

Mit der Eröffnung der Start- und Landebahnen des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg BER im Jahr 2021 wurde der Flughafen Tegel geschlossen.

 

Historische Zeittafel

1823
Eine Luftschiffhalle wird gebaut.

1896
In der Jungfernheide werden für ein „Luftschiffer-Bataillon“ Kasernen errichtet, und von nun an wird mit verschiedenen Konstruktionen für die Luftschifffahrt experimentiert (Typ Parseval und Groß-Basenach).

1906
Eine Luftschiffhalle wird gebaut.

1914
Das Gebiet wird ein Ausbildungsplatz für Feldluftschiffertruppen des Militärs.

1919
Der Friedensvertrag von Versailles verbietet den Wiederaufbau von Luftstreitkräften. Die Arbeit in Tegel wird eingestellt, und die 1906 gebaute Luftschiffhalle wird abgerissen.

1930
Auf dem Areal wird ein Raketenflugplatz errichtet. Es werden Flüssigkeitsraketen entwickelt und erprobt.

1933
Der Raketenflugplatz muss aufgrund einer nicht bezahlten Wasserrechnung schließen.

1939
Während des Zweiten Weltkrieges wird der ehemalige Raketenflugplatz als Truppenübungsplatz genutzt.

1945
Das Gelände und die sich darauf befindlichen Gebäude sind durch Bomben stark zerstört. Die Bezirksverwaltung plant dort eine Kleingartenkolonie, um die Wohnungsnot in Berlin zu lindern.

1948
Einen guten Monat nach Beginn der Berlin-Blockade gibt die französische Besatzungsmacht ihre Einwilligung zum Bau eines neuen Flughafens in ihrem Sektor, der zur Unterstützung der Berliner Luftbrücke dienen soll. In einer Rekordzeit von 90 Tagen wird auf dem Gebiet des alten Truppenübungsplatzes ein Flugplatz gebaut, der mit 2428 Metern die damals längste Landebahn Europas besitzt. Am 5. November 1948 landet dort das erste Flugzeug.

1960
Die Air France nimmt den ersten planmäßigen Linienflug nach Tegel auf.

1964
Pan American World Airways (PanAm) beginnt mit dem Luftverkehr in Tegel.

1968
Wegen der Überlastung des Flughafens Tempelhof verlegen ab 1968 alle Charterfluggesellschaften ihre Flüge nach Tegel.

1975
Tegel wird zum wichtigsten Passagierflughafen von Berlin.

1990
Mit der Wiedervereinigung werden alle noch bestehenden Einschränkungen für den Berliner Luftverkehr aufgehoben. Tegel kann nun auch von allen deutschen Fluggesellschaften angeflogen werden.

1996
Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund beschließen den Bau des Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI), später BER, für das Gebiet des Flughafens Berlin-Schönefeld (SXF). Die Flughäfen Tegel und Tempelhof sollen im Gegenzug geschlossen werden.

2008
Die „Projektgruppe Tegel“ erarbeitet Vorschläge für die Nachnutzung des Geländes. Es soll ein Forschungs- und Industriepark mit grünen Zukunftstechnologien entstehen, ebenso Wohnhäuser, Natur- und Waldflächen. Mit der Inbetriebnahme des Flughafens BER, auf die wir seit vielen Jahren warten, wird der Flughafen Tegel endgültig geschlossen.